Hart umkämpftes Territorium

Wie jedes andere Metier, in dem so viele Dienstleister zur Verfügung stehen, ist auch das der (freien) Texter hart umkämpft. Ob es nun daran liegt, dass es sich um die Werbebranche handelt oder daran, dass es so viele Textbrokerseiten gibt, auf denen die Texter zu meist sehr niedrigen Preisen ihre Leistungen zur Verfügung stellen, sei dahingestellt. Meiner Meinung nach ist in dieser Branche ein großes Manko, dass die Kunden meist nicht genug Bewusstsein dafür entwickeln können, was sich für eine Arbeit hinter den Texten verbirgt. Da mir Transparenz wichtig ist und ich persönlich nichts davon halte, ein großes Tabu aus diesem Thema zu machen, bringe ich es ohne Umschweife auf den Punkt: Die ganze Welt ist kommerzialisiert, ohne Geld funktioniert heute nichts mehr.

 

Woher kommt dieser Tabugedanke, wenn es ums Geld geht?

Kaum ein Thema wird bei der Auftragsverhandlung so gerne umgangen, wie die Vergütung. Sicherlich, jedes Projekt hat sein Budget und das sollte möglichst nicht überboten werden. Doch auch hier verhält es sich wie bei jedem anderen Produkt, für das Geld bezahlt wird: Investiert man eine hohe Summe in ein Produkt, kann sogleich von höherer Qualität ausgegangen werden.

Auftraggeber sollten sich zunächst Gedanken darüber machen, warum überhaupt zu einem solchen Preis gearbeitet wird und 1 bis 2,5 Cent pro Wort kein Problem sind. Entweder fehlt dem Texter schlichtweg die Erfahrung, um höhere Qualität bieten zu können oder er ist nur dazu fähig, bereits vorhandene Textpassagen in eigenen Worten wiederzugeben. Zusätzlich wird womöglich auch Copyscape anspringen. „Richtig genial“, wird sich manch ein unwissender Auftraggeber denken, „ein Text mit 700 Wörtern für 7€. Total viel gespart!“ Nein.

Weshalb es nicht möglich ist, für 2 Cent pro Wort zu arbeiten

Texter lieben ihre Tätigkeit. Sie sind mit Herzblut dabei und wollen jeden noch so kleinen Auftrag und jedes einzelne Mammutprojekt mit äußerster Präzision abschließen. Warum Texte nicht nur Buchstaben sind habe ich im Übrigen bereits in einem anderen Blogeintrag beleuchtet.

Würde ich nun einfach aus dem Stegreif anfangen, über Südkorea zu schreiben, könnte ich einen Text mit einer Länge von 700 Wörtern wohl problemlos in einer halben Stunde verfassen. Aber hier handelt es sich um mein Spezialinteresse. Wie viele Interessen hat ein Texter im Schnitt – und wie viel Zeit wird hierbei investiert, um bei jenen Themen auf dem aktuellen Stand zu bleiben? Lassen Sie uns ehrlich sein: In der Regel sind Texte, die für jemanden erstellt werden, kaum Spezialinteressen eines Texters. Dass demjenigen dieses Themengebiet liegt, bedeutet nicht, dass es automatisch auch Einzug in seinem Privatleben finden wird.

Für solch ein Thema außerhalb des Interessensbereiches kann man mindestens eine halbe Stunde Recherchezeit einkalkulieren, selbst wenn es sich dabei um einen Text handelt, der kaum Aufwand bedeutet, weil es sich beispielsweise um die Vermarktung des neuesten Hundefutters handelt. Hier sind die Informationen schnell zusammengetragen, sodass zumindest ein Grundgerüst erschaffen werden kann. Kommt es darüber hinaus zu einem Input seitens des Auftraggebers, sei es nun in Form von Informationsdatenblättern oder einem grundlegenden Briefing, muss natürlich auch all das berücktsichtigt werden. Dies kostet ebenfalls Zeit. Anschließend erfolgt eine Zielgruppen- und Konkurrenzanalyse, da der Text optimal abgestimmt sein möchte. Erst jetzt erfolgt eine annähernd texterische Tätigkeit: die Konzepterstellung des Textes. Hernach geht es darum, die gesammelten Informationen in wohlklingende Worte zu verpacken. Layouting, Korrekturlesen, Schlussüberarbeitung und Kundenakquise sind dabei nicht miteingerechnet. Aus diesem Grund kann man bei einem qualitativen Text mit 600 bis 1000 Wörtern bereits von 3 Stunden Arbeitszeit ausgehen, die insgesamt einfließen.

Philosophie unserer Agentur ist, dass ich den Textern so viel Arbeit wie möglich davon abnehme. Dabei läuft die gesamte Akquise über mich und das Briefing wird von mir angepasst, denn jeder meiner Texter hat Stärken und Schwächen, welche zu kennen meine Pflicht ist. Soll der Text in HTML aufbereitet werden, kommt es immer ganz auf den Texter an, ob dieser dazu fähig ist. Auch etwaig gewünschte Bildrecherche erfolgt durch mich. Ich unterstütze die Texter bei Bedarf mit Informationssuche, beschäftige eigene Korrekturleser, damit alles nach einem 4-Augen-Prinzip abläuft und der Kunde in den Genuss einer entsprechend hohen Qualität kommt. Desto ärgerlicher ist es, wenn potentielle Auftraggeber all das nicht zu schätzen wissen und kein offenes Ohr dafür haben, welch weitgreifender und umfassender Prozess eigentlich hinter einem Text steht.

Mit einer geschätzten Arbeitszeit von 3 Stunden summiert sich dies auf 20€ für einen Text mit 1000 Wörtern, wenn jedes Wort lediglich mit 2 Cent vergütet werden. Dadurch käme man zu einem Bruttogehalt von 6,66€ pro Stunde. Rechnet man nun all die anfallenden Betriebsausgaben (Versicherungs- und Steuerkosten, Gewerbekosten, Arbeitsgeräte, Telefonkosten, Internet, …), bleibt letzten Endes ein Stundenlohn von nur 2€ bis 3€.

Wunsch nach Qualität?

Barbara Fürlinger

Als CEO ist es meine Hauptaufgabe, mich darum zu kümmern, dass hier alles rund läuft. Ich bin zu jeder Zeit für mein Team da und betreue alle unsere Kunden. Akquise und Webdesign zählen zu meinen Hauptaufgaben in der Agentur.